AG5910


Ab Mitte 2015 war ich eine Weile als Kurier beschäftigt, während der Arbeit trug ich Handschuhe. Am Grad ihrer Verschmutzung lässt sich der Arbeitsumfang erkennen. Im Schnitt hatte ich eine Strecke von 17 Kilometern mit dem Rad und etwa 10 Kilometern zu Fuß zu bewältigen. Nebenbei schoss ich auch Fotos und beobachtete mein Umfeld. Als Briefkurier wird man automatisch Teil des Alltags und der Umgebung, man verschmilzt mit dem Verteilgebiet, diese (Neben)Rolle eignet sich gut zum stillen beobachten.





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2015
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2015
30/10/2015

Wetter: ☁

Die auszuliefernde Menge war groß, zwei extra Stapel Werbung. Die liegt Morgen definitv in den Körben unter den Kästen. Es ist so, als würde man einen Stein über eine Mauer werfen, um die Mauer herum gehen, und den Stein zurück werfen. Den Handschuh hab ich mir an den Plastikbändern mit denen die Prospekte zusammengehalten werden aufgerissen.
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2015
13/06/2015

Wetter: ☂

Auf Pflastersteinen bei Regen muss man viel balancieren, mein Rad wiegt voll beladen mehr als Ich selbst. Es gibt kein schlechtes Wetter, jede Wetterlage hat ihre Vor- und Nachteile, aber wenn die Briefe durchweichen ärgern sich die Leute. Wenn ich in die Häuser gehe beuge ich mich über die Bündel.
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2015
08/10/2015

Wetter: ☁

Es wird langsam Winter, einstellige Temperaturen. Im halb leer stehenden Bankgebäude ist aber immer Sommer, jedenfalls werden die Plastikpflanzen niemals eingehen, auch wenn irgendwann keine Mensch mehr hier arbeitet.
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27/12/2015

Wetter: ☁

Bald ist Krieg. Dann bekommen die Briefkästen hochexplosive Sendungen. Jedenfalls alle ohne Sprengkörperverhütung.
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03/09/2015

Wetter: ☁

Wäre ich heute etwas früher aufgestanden, hätte ich vielleicht keine Beine mehr. Auf dem Rückweg zum Depot hatte ich noch Probleme mit der Kette.

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